sms auf Turnschuhen
Als Neil Papworth im Winter 1992/93 seinen kleinen binär kodierten Text über den Äther schickte, dachte er dabei sicherlich nicht an mich. Das hätte ich vielleicht auch nicht. Nichtsdestotrotz beeinflusst seine Pionierleistung von damals die Welt von heute dramatisch, was die zu dutzenden Millionen verschickten sms jährlich allein in Deutschland bezeugen: Neil schürte oder erschuf ein neues Bedürfnis der modernen Turnschuhgeneration1
Die westliche Variation und Perversion des östliche Gedankens Der Weg ist das Ziel ist der Mensch, der immer auf dem Sprung ist. Der Nirgendwo ist, den wir aber immer häufiger auf den Straßen unserer Großstädte treffen, mit gehetztem Blick auf der Jagt nach diffundierenden Optionen, die wie den Rauch der Wind verweht, den er aufwirbelt, um sie zu fassen.
In diesen Kontext allgemeiner Verflachung stellt sich die Erfindung der sms als pure Notwendigkeit. Was sonnst könnte sich so gut in den Lifestyle der Meinungen und Statements einbinden, wie der Short Messages Service.
Auf 160 kryptische Zeichen mit unbedienbaren Tastaturen geschtaucht, entbehrt die sms Alles, was man von einem Kommunikationswerkzeug erwarten würde. Stattdessen werden wenig Worte teuer und umständlich übertragen, und das “Gespräch” wird fragmentiert in einzelne Announcements.
Das stellt uns die Frage, warum über sms überhaupt Gespräche geführt werden und liefert uns auch gleich die Antwort: Ebendiese Announcement-Fähigkeit der sms, dieser Statement-Charakter entspricht dem dissoziierenden Sein des modernen Kommunikationsmenschen.
Und da hätte Neil stocken müssen. Er hätte innehalten und sich einen Moment der Ruhe gönnen müssen. Dann hätte er mich inmitten seiner Short Cuts gesehen, und voller Mitleid hätte er die sms dann wohl doch nicht ins Rennen geschickt.
1 Mein hochgeschätzter ehemaliger Kunstlehrer Herr Fuchs prägte diesen so treffend schönen Begriff, der mich seither ständig begleitet
webwalk
da schreib ich dir wohl lieber keine sms mehr! aber email ist auch nicht so anders!? 160 ignoriere ich bei korrekten hommies komplett. ein stehendes wort hat doch auch einen ästhetischen wert! und einen errinerungswert, bei katalogisierung. qwertz
astrein formuliert auf jeden
Also deine Website ist es wirklich immer mal wieder wert, besucht zu werden. Schoen poetisch formuliert.